Verantwortung


Es drehte sich viel um das Thema Verantwortung. Mir ist klar geworden, dass Verantwortung  für mich  verschiedene Aspekte hat. 

Ein Aspekt, der für mich letzten Sonntag beim Pilgern sehr klar wurde, möchte ich mit Dir teilen. 

Sonntag war im Grunde Alles gelaufen. Die letzten Gäste waren abgereist und das letzte Retreat der Saison beendet. Trotzdem hatten wir am Wochenende noch die Verantwortung dafür, dass „Alles läuft“. 

Ich hatte gut vorgearbeitet, so dass die Tipis für das für Sonntag/Montag angekündigte Filmteam bereits vorbereitet waren und der Sonntag hoffte ein entspannter Tag zu werden. Ich wollte noch ein letztes Mal nach La Verna pilgern und Ina-Maria eine letzte „übriggebliebene„ Donna Divina kristallisierte sich als unglaubliches Zugpferd heraus. 

Kurz bevor ich Mittags die Wanderung mit ihr starten wollte, bekamen wir die Info, dass das Filmteam tatsächlich schon Sonntagabend anreist und 5 statt der vorbereiteten und freien 4 Tipis benötigt. Ok, das war der Teil, der recht einfach durch Marcus erledigt wurde, auch der Checkin ging problemlos. 

Zusätzlich erfuhr ich dann, dass die Küchenchefin nicht zur Vorbereitung des Abendessens anwesend sein würde. Hmmm, so sah ich mehr und mehr meine Fälle schwimmen, da wir ja dafür verantwortlich waren, dass Alles läuft... ich merkte schon wie die Traurigkeit in mir empor stieg... Dank der großen Willenskraft meiner Begleiterin, suchte ich das Gespräch mit dem Chef des Hofes, um zu klären, was  bzgl. des Abendessens zu tun sei. 

Für mich war klar, dass ich mich in die Küche stelle, um den Abend „zu retten“. Das Gespräch mit Edwin und Ariane brachte mir eine völlig neue Perspektive. Sie bestärkten mich  Pilgern zu gehen und ließen die Verantwortung für das Abendessen bei der Küchenchefin und halfen mir so, meinen Weg zu gehen. 

Das war neu. Und damit ging ich auf den Pilgerweg....

Meine Erkenntnisse dazu: 
1. Lass die Verantwortung bei dem, der Sie übernommen hat. 

a) Wenn ich in die Verantwortung eines Anderen trete, wozu tue ich das? Warum? 
1. Falle „Opferrolle“: Ich merkte schnell, dass ich normalerweise in mein altes Muster gegangen wäre und mich in null Komma nix in der Opferrolle gesuhlt hätte. „Ich Arme, ich kann jetzt nicht Pilgern gehen, weil.... Statt dessen hänge ich hier in der Küche und muss kochen.“

2. Falle das „Heldenspiel“: Hinterher hätte ich mich im Heldenglanz gebadet und mir gesagt „ Ohne mich, wäre das hier Alles in die Hose gegangen.“

3. Falle „Projektion“: Ich hätte meine ganze Traurigkeit und Wut auf die Küchenchefin projeziert und einen dicken Hals auf sie gehabt. 

4. Falle: Wenn ich in die Verantwortung eines Anderen trete, nehme ich sie ihm, stelle mich über ihn und verhindere, dass längst anstehende Konflikte zum Vorschein kommen und nehme dem Anderen die Chance daran zu wachsen. 

What a day 🧘🏼‍♀️ What a gift

Die Kehrseite der Medaille 🥇 
Mir fällt zunehmend auf, dass ich immer dann, wenn es Menschen gibt, die es lieben Verantwortung zu übernehmen oder einfach sehr geübt darin sind, Ihnen das Feld sofort in vollem Umfang überlasse. Stehe ich alleine in der Verantwortung - übernehme ich sie in vollem Umfang und Alles läuft gut. 

Deshalb habe ich mich oft gefragt, was mich dazu bringt, immer wieder das Zepter aus der Hand zu geben. Bis jetzt sind mir vor Allem zwei Aspekte bewusst: 
In meiner Ursprungsfamilie waren wir zwei Kinder. Mein älterer Bruder und ich. Da meine Mutter damals noch sehr ängstlich und mein Vater innerlich kaum präsent, beschloss mein Bruder die Verantwortung in der Fanilie zu übernehmen. 

Mir war unbewusst wohl klar, dass es in dieser Konstellation am Besten war, mich anzupassen, um das Familiengefüge nicht ins Wanken zu bringen. So übte ich mich mehr im Anpassen als im Meinung bilden. So wurden die Bedürfnisse der Anderen schnell zu meinen. 

Noch heute - nach vielen Jahren Selbstreflektion - muss ich bewusst inne halten und in mich reinspüren, um meine Bedürfnisse wirklich wahrzunehmen. 

Hinzu kommt, dass ich den Eindruck habe, dass ich schon tausendmal vorher in früheren Leben dafür gestorben bin, wenn ich Verantwortung übernommen habe und meine Wahrheit gesprochen habe. Ich entdecke Glaubenssätze wie „Wenn ich meine Wahrheit spreche, kostet mich das mein Leben.“

Hier darf ich meine Seelenmuckis noch trainieren,  alte Glaubenssätze loslassen und neue aufnehmen. 

♥️

Mein Wert